Glasperlenspiele

Die österreichische Unterrichtsministerin liegt im Moment mit “ihren” Lehrern im Clinch. Sie hat ein Budget verhandelt, das es angeblich erforderlich macht, dass Lehrer 2 Stunden pro Woche länger in der Klasse stehen. Lehrer sehen darin eine schleichende Arbeitszeitverlängerung weil sie um jene Stunden, in denen sie zusätzlich in den Klassen stehen, andere Stunden nicht vorbereiten können. Und natürlich bedürfen auch jene zwei zusätzlichen Unterrichtsstunden Vorbereitungszeit.

Gewerkschafter sprechen von etwa 4 Stunden pro Woche Mehrarbeit (= 10 % Lohnkürzung), Manche von 2 Stunden pro Woche (= 5 % Lohnkürzung), Ministeriumsmitarbeiter von Optimierungsbedarf der Vorbereitungszeit (= seltsam). Deshalb: Große Aufregung. Aber um diese Diskussion soll es hier gar nicht gehen, sondern eher um eine Kommunikationsmerkwürdigkeit.

Im Zuge der Verhandlungen hatte Unterrichtsministerin Schmied vorgeschlagen, die Arbeitsbedingungen der Lehrer zu verbessern, nämlich (*trommelwirbel*): jeder Lehrer soll eine e-mail Adresse erhalten … und ein Netbook.

Zuerst mal klingt das alles so herrlich unbedarft – als hätte jemand die Ministerin knapp davon abhalten können noch “und einen Facebook-Account” oder “und eine Twitter-Schulung” hinzuzufügen. Ja, es mag seltsam klingen, aber ich denke “e-mail” is noch immer sowas wie ein Buzz-Word in Österreichs Ministerien.

Auf jeden Fall macht diese Aussage den Eindruck, als würde man annehmen, Lehrer hätten gar keine e-mail Adresse oder adäquates technisches Equipment. Das mag für einige Lehrer zutreffen, aber die haben ganz andere Probleme als dieses “neumodische” Zeug.

Und dann .. bitte, was ist das für ein Angebot? Ich möchte, dass Du 2/4 Stunden länger arbeitest (bzw. auf den dafür zustehenden Lohn verzichtest), dafür richte ich Dir eine e-mail Adresse ein und borg Dir ein unbrauchbares (weil viel zu kleines) Notebook? Das klingt wie nach einem dieser berüchtigten Glasperlentauschgeschäfte, die ja angeblich in der Frühzeit der “Besiedelung” des amerikanischen Kontinents durch europäische Eroberer stattgefunden haben sollen.

Im Moment ist das von einer Win-Win-Verhandlungslösung weit entfernt.

Diesen Artikel bookmarken:
  • Twitter
  • MySpace
  • Digg
  • Slashdot
  • del.icio.us
  • Google Bookmarks
  • Technorati
  • Live
  • Sphinn
  • LinkaGoGo
  • MisterWong
  • Propeller
  • Yahoo! Buzz
  • Yahoo! Bookmarks
  • BlinkList
  • Print
  • email
  • PDF
Dieser Beitrag wurde unter Politisches veröffentlicht. Setze ein Lesezeichen auf den Permalink.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>