Abendland in Christenhand

verkündet ein Plakat der wahlwerbenden FPÖ hier in Wien. Zum Einen wegen der anstehenden Europawahl und zum Anderen als "Vorbereitung" für einen Wiener Landtagswahlkampf, der wohl zu den heftigsten der vergangenen Jahre zählen wird.

Nebenbei ist sich dann auch noch H. C. Strache (der ehemalige Gebiss-Schnitzer und jetzige Parteiobmann der FPÖ) nicht zu blöd, Anleihen beim verblichenen Helmut Zilk zu nehmen und auch noch "mahnend" ein Kreuz in die Kamera zu halten, um die "Werte des Abendlandes" zu verteidigen. Sowas geht auch nur im erzkatholischen Österreich. Wo anders versucht man vom Staat aufgezwungene religöse Symbole (Kreuze in Schulen z. B.) zurück zu nehmen - bei uns ruft Strache den Gottesstaat aus.

Natürlich will man bei den Recken der FPÖ das ganze nicht klerikal sondern politisch/kulturell verstanden wissen. Und natürlich hat das überhaupt nix mit Hetze gegen irgendwelchen anderen Kulturen/Religionen zu tun.

Also ... ich verwahre mich strikt dagegen, die (meine) europäisch/westliche/demokratische/aufgeklärte Kultur unter den Sammelbegriff "Christliche Kultur" zu packen. Ich halte die Vorstellung, dass die gestalterischen Kräfte in diesem Teil der Welt durch ihr "Christsein" definiert werden für zutiefst bedenklich. Ich würde sie lieber denkend, offen, kreativ und demokratisch wissen, was Christen zwar nicht automatisch ein- aber auch nicht ausschließt.

Und nebenbei find ich es irgendwie sehr süß, wie sich H. C. Strache als Kreuzritter des Abendlandes definiert. Ob die etwa halbe Milliarde Einwohner der EU jemals schon was vom Don Quichote aus Wien gehört haben?

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