Lobbyist zu sein kann Spass machen. Zumindest, wenn man Nick Naylor bei der Arbeit zusieht.
Nick Naylor ist Lobbyist der US-Tabakindustrie und sein Job ist es, dafür zu sorgen, dass Rauchen gute Presse bekommt. Und das tut er in beeindruckend erfolgreicher Art und Weise.
Er sieht gut aus, ist geschieden und hat ein gutes Verhältnis zu seinem Sohn, den er schon mal für dessen Hausarbeit in bestimmte NLP-Tricks einweiht.
Er hüpft gern mit einer Reporterin ins Bett und trifft sich regelmäßig mit dem M.O.D.-Squad (”Merchants of Death”), den Lobbyisten für Alkohol und Schusswaffen und er hat sogar ein sehr gutes Verhältnis zum allmächtigen Chef der Tabak-Lobby.
Dann aber läuft es nicht mehr so gut, denn ein Presseartikel macht ihm schwer zu schaffen und auch ein Mordanschlag, den er nur knapp überlebt, setzt ihm zu. Ihm wird gekündigt und dann steht auch noch eine Anhörung in einem Untersuchungsausschuss an.
Jason Reitman (Sohn von Ivan Reitman) hat einen schönen, sehr amüsanten gesellschaftskritischen Film gestaltet, der auf Christopher Buckleys gleichnamigen Roman basiert. Er beobachtet und kommentiert Nick Naylors Leben und lässt dabei auch schon mal den Film anhalten oder Piktogramme einblenden.
Der Film handelt weniger vom Rauchen oder dem Kampf dafür oder dagegen, sondern von der Manipulierbarkeit von Medien und Meinungen. Davon, dass es weniger darauf ankommt, was man glaubt, sondern wie man beliebige Meinungen am Besten “verkauft”. So gesehen wäre es zu wünschen, dass manche Zuseher einige der Techniken im realen Leben wieder erkennen.
Nick Naylor mag einen unsympathischen Job haben, aber er selbst ist charismatisch und man wünscht ihm eigentlich nur das Beste. Aaron Eckhart spielt ihn mit großer Spielfreude und Selbstsicherheit.
Bleibt die Story selbst in den üblichen Bahnen, merkt man den Schauspielern ihre Spielfreude an, egal ob Rob Lowe als overstyled Hollywood-Mogul, Robert Duvall als alter Chef der Tabak-Lobby, William H. Macy als Senator oder Sam Elliott als Marlboro Man.
Trotz seines gesellschaftskritischen Ansatzes ist “Thank You for Smoking” nie langweilig und eine eindeutige Empfehlung.
Der Soundtrack von Thank You for Smoking bei amazon.de
Die Viennale Seite zum Film
Die offizielle Seite zum Film
Dieser Text steht unter folgender Creative Commons-Lizenz.
Besucher, die diesen Artikel gelesen haben, interessierten sich auch für