Aki Kaurismäkis Filme zeichnen sich durch eine gewisse melancholische Trostlosigkeit aus - im Hinblick auf Bildsprache, im Hinblick auf die erzählten Geschichten.
Und so ist auch Laitakaupungin valot (Lichter der Vorstadt), der dritte Teil der sogenannten “Loser-Trilogie” keine Ausnahme.
Der Nachtwächter Koistinen lebt in seiner einsamen Welt ohne Freunde einen trostlosen Alltag. Da werden Kriminelle auf ihn aufmerksam, die die Blondine Mirja dazu benutzen um an Code und Schlüssel für einen Juwelierladen auf Koistinens Route zu gelangen.
Koistinen glaubt an Mirjas Avancen und so ist es für sie ein Leichtes das Vertrauen des einsamen Mannes zu gewinnen.
Ein Überfall findet statt und Koistinen wird verdächtigt und gekündigt. Schlussendlich muss Mirja Koistinen auch noch Teile des Diebesgutes unterschieben, was dieser bemerkt. Enttäuscht macht dieser keine Anstalten, sich der untergschobenen Juwelen zu entledigen und lässt sich widerstandslos festnehmen.
Koistinen (beindruckend reduziert gespielt von Janne Hyytiäinen) ist kein gebeugter Mann. Er steht (und geht) aufrecht seinen Mann. Zielbewußt. Ein Mann, der handelt und weniger denkt. Selbst in seiner Einsamkeit erscheint er irgendwie bestimmt einsam zu sein.
Mirja nützt Koistinen (bemerkenswert übrigens, dass sein Vorname nur in einer Gerichtsverhandlung erwähnt wird) nur unter Protest aus, scheint aber ihre Gründe zu haben, um sich mit den Kriminellen zu arrangieren.
In Kaurismäkis Filmen reden die Personen mehr in den Raum als miteinander. Und dadurch bleibt auch die Kommunikation der sich eigentlich fremden Wesen Mirja und Koistinen auf das Allernötigste beschränkt.
Wieder wird auch Kaurismäkis Affinität zum Thema Musik sichtbar, als er die Trostlosigkeit Koistinens mit krächzenden Opernarien und finnischem Tango (der ja anders als der argentinische Tango nicht für Erotik sondern für Herzschmerz steht) untermalt. Rock gibts in einer “Disco” übrigens auch zu hören - allerdings nicht von den Leningrad Cowboys sondern von Melrose.
Wer sich von dem Film erwartet, dass er in einem Happy End getragen von Rache und Einsicht endet, wird enttäuscht sein. Nein, Kaurismäkis Welt wartet nicht mit dem gefinkelten Schachzug des benutzten Nachtwächters auf, der die Welt ins Helle und Gute verkehrt.
Er sitzt im Gefängnis, ein Racheversuch scheitert kläglich, das Mädchen bleibt beim “Bösen” und er selbst hat am Ende sogar seinen mickrigen Job und seine mickrige Wohnung verloren.
Und trotzdem gibt es ein Happy End, das nur aus einem zaghaften Händedruck besteht. Wer bereit ist, die ruhigen Töne, die unter der sehr geradlinigen (sagen wir sehr simplen) Krimihandlung schlummern, zu hören, findet auch seinen Frieden mit diesem Ende.
Ich muss zugeben, dass mir das auch nur nach etwa einer Stunde nach dem Ende der Vorführung gelungen ist.
Am Ende der Vorstellung war Maria Järvenhelmi noch für ein kurzes Gespräch im Gartenbaukino sprach kurz über ihre Rolle, wie sie die Rolle der Mirja sah und über ihre Freude an Progressive Rock und ihre neue CD. Das Gespräch brachte nicht wirklich Neues, was vorwiegend an der einfallslosen Gesprächsführung des Moderators lag.
Alles in allem kein wirklicher Knaller, aber ein kleines, feines Kammerspiel.
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