Eine interessante Beobachtung mache ich in letzter Zeit bei all jenen Leuten, die bei irgendwelchen (vornehmlich familiären oder gesellschaftlich relevanten) Events “Erinnerungen” auf Video bzw. Foto festhalten.
Immer mehr macht es für mich nämlich den Eindruck, als würden gar keine Erinnerungen festgehalten werden. Als würde man das “Erinnern” an das Medium Foto bzw. Film delegieren. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein sagen wir Vater, der die Erstkommunion seines Jüngsten auf Video festhält, und dabei Blinkwinkel, störende Einflüsse, Lichteinfall, Batteriestand, Stolperfallen und Speicherkartenzustand im Auge behalten muss, wirklich die Erstkommunion erlebt.
Ein Erlebnis, an das man sich nicht mehr erinnern kann, weil man es nicht erlebt hat. Und der irrigen Meinung erliegt, eine Aufzeichnung dieses Events wäre dafür adäquater Ersatz. Ähnlich jener Leute, die diverse Lernmaterialien und “How-To”-Bücher kaufen, als wäre deren Erwerb mit dem Erwerb des Wissens gleich zu setzen.
Ob man sich nicht in späteren Jahren eher an die Aufzeichnung als an das Erlebnis selbst erinnern kann? Ob man überhaupt noch weiß, ob man bei der Hochzeit des Bruders noch etwas anderes gefühlt hat, als “verdammt, mir schläft bald die Hand ein – ich hätte mir ein Stativ kaufen sollen”?
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