YouTube schickt die Anwälte

Obwohl YouTube ja geradezu ein neues Zeitalter des Exhibitionismus und Voyeurismus eingeleitet hatte, heißt das noch lange nicht, dass dort nicht auch Rechtsabteilungen rumsitzen, die beschäftigt werden möchten.

Wer hatte nicht schon mal das Bedürfnis, Inhalte von YouTube nicht nur zu sehen, sondern auch herunterzuladen. Es ist nun mal nicht jedermanns Sache sich jedesmal mit dem Internet zu verbinden, wenn man im Zug sitzt und sich ein “Best of geriatric1927” gönnen möchte.

Aus diesem Grund gibt es zahlreiche Seiten bzw. sogar Firefox-Add-ons, die das Herunterladen von YouTube-Videos ermöglichen. Und nicht nur jene von YouTube sondern auch von einer ganzen Reihe anderer Flash-Movie-Seiten. Und ob dieser Downloadmöglichkeiten reiten die YouTube-Anwälte aus.

Wie gerade bei Techcrunch gelesen, hat YouTube ein Problem damit, dass auf dieser, einer der größeren Seiten des Internets ein derartiges Tool zur Verfügung gestellt wurde. Eine Unterlassungsanordnung der YouTube-Anwälte flatterte den Jungs von Techcrunch auf den Tisch, der sie nicht nur der Störung der Geschäftstätigkeit, unfairer Geschäftsmethoden und irreführender Werbung bezichtigte sondern ihnen auch vorwarf, das Urheberrecht der YouTube-Uploader zu verletzen.

Selten so gelacht. Ganz abgesehen davon, dass Michael Arrington von Techcrunch das Teil offline nehmen möchte, stehen vermutlich nicht mal mehr die Grundmauern des Glashauses, in dem YouTube saß.

YouTube ist an und für sich ein gar wundersames Web 2.0 Geschöpf. Wie so oft hat sich gezeigt, dass es darauf ankommt, zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort zu sein und sich vorerst wenig um rechtlichen Schmafu zu kümmern.

Nach der Napster-Panik hatte die Film- und Musikindustrie verzweifelt (und erfolglos) versucht mit ihrem Kontent im Internet direkt an den Letztverbraucher zu verkaufen. Diese Orientierungslosigkeit hat im Wesentlichen ein Window of Opportunity (*grins*) geschaffen, das YouTube während seiner Startphase weitgehend vor einer Kriminalisierung bewahrt hatte. Und als YouTube groß genug war, um eine relevante Größe zu erreichen, war man diesmal klüger als im Fall Napster. Man hat das Ding nicht geschlossen sondern gekauft bzw. Deals abgeschlossen.

Jetzt ist es allerdings in den Händen jener Konzerne, die derartige Millionenbeträge für das Einkaufen einer Community nicht aus Spass an der Freud ausgeben. Diese Konzerne müssen allein schon ob ihrer Börsennotierung Geld machen. Und das macht sich bemerkbar. Durch derartige Briefe, durch die Änderung der Nutzungsbedingungen oder durch die Überlegung Werbung an die Videos dranzukleben.

Nicht wirklich überraschend, aber die Zeit der Freebies (Traffic, Webspace) ist vorbei und das ist sicher traurig. Einer gewissen Ironie entbehrt es allerdings nicht, wenn sich ein Unternehmen, das vor allem auch durch Videos, die mehrfach Urheberrechte verletzen, zu einem interessanten Kaufobjekt wurde, jetzt ausreitet, weil sich User diese Videos (unverändert!) auf ihre Festplatte laden möchten.


Besucher, die diesen Artikel gelesen haben, interessierten sich auch für





Diesen Beitrag kommentieren
Mit * markierte Felder sind Pflichtfelder, die e-mail Adresse wird nicht veröffentlicht.

Name*
e-mail*
Website
Kommentar