Die BILD-Zeitung scheint das Internet zu entdecken. Nachdem BILD.de am 13. November dazu aufrief, die freie Enzyklopädie Wikipedia auf Fehler zu durchsuchen, entdeckte sie einen Tag später YouPorn.com (den YouTube-Klon mit pornografischen Inhalt) und fragte sich/uns, warum wohl die Leute ihre privaten Sexfilmen online stellen.
Bemerkenswert, was für Folgen diese beiden Artikel hatten:
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Die Aufforderung Fehler bei Wikipedia zu finden, führte einige übereifrige Wiki-Vandalen dazu, Artikel kaputt zu schreiben um diese dann als gefundene Fehler-Trophäe präsentieren zu können. Jeder will in die Bild und sei es auch nur als Entdecker seines eigenen Handelns.
Die scheinheilige Frage, warum jemand private Sexaufnahmen von sich ins Netz stellt, führte den “Girl von Seite 1″-Fan zu härterer Kost und den YouPorn.com-Server in die ewigen Jagdgründe. Mittlerweile ist die Seite wieder online und dürfte sich über die zusätzlichen User freuen.
An die Scheinheiligkeit der BILD-Zeitung war man ja durchaus schon gewohnt. Und bei einer derart riesigen Menge an Lesern genügen derartige Artikel um einen relevanten (unerwünschten) Impact im Netz zu verursachen. Dass dieser potentielle Impact zu leichtem Größenwahn der Macher führt, kann man auch irgendwie nachvollziehen. Gefestigte Charaktere würden mit einer derartigen Verantwortung gewissenhaft umgehen, aber wie sagte schon James Bond in “Dr. No”.: “Wo kämen wir hin, wenn alle Genies wären”.
[Kleiner Einschub: Auf der Seite www.ahnsinn.com war von mir ebenfalls ein Server-Crash zu verbuchen, als von der Schweizer Seite “Blick.ch” ein Spiel von mir verlinkt wurde. Sehnte ich mich bis zu diesem Zeitpunkt nach dem sogenannten Slashdot-Effekt, so bin ich von diesem Sehnen mittlerweile geheilt - noch. Mal sehen, ob dieser Artikel aufgrund der schönen Reizworte wie “Porn” oder “Sex” auch interessierte “Leser” anzieht ;-) Immerhin scheine ich bei der Bildersuche nach Tamara Hoover vorne zu liegen. :-)]
Auf jeden Fall ist YouPorn ein interessantes Projekt. Jetzt weniger wegen der gezeigten Videos wie z. B. die vielgesehenen Videos “Young blonde from college fucks her …” mit 17.721 views, “Shy russian girl fucked (part 1)” mit 16.200 views oder “Young guy with a mature woman (part 1)” mit 15.998 views.
Interessant ist die Parallele mit YouTube. Auch YouTubes Anfangserfolg basierte teilweise auf Inhalten, die am Rande der Legalität angesiedelt waren, auch bei YouTube wurden Inhalte unkompliziert an den Endverbraucher gebracht und wie alle Highflyer im Internet war es für den Konsumenten kostenlos und zwar ohne doppelten Boden.
Es mag zwar sein, dass derjenige, der im Internet nach allen Formen der Pornografie sucht, leicht fündig wird. Allerdings wird er dabei geradezu mit ganzen Spam-Universen zugeschüttet. Mit ausgeschaltetem Pop-up-Blocker nach einer google-Suche nach “hot sex” zu surfen, lässt einen nach spätestens 10 Minuten ob der überwältigenden Werbeflut entnervt zum Reset-Knopf greifen. YouPorn war bislang noch nicht in den Fängen der Pop-Up-”Serverfarmen” und damit “ansurfbar”.
YouPorn ist nicht nur eine simple (modifizierte) Kopie von YouTube - es könnte auch den gleichen Weg beschreiten. Nein, es kann nicht davon ausgegangen werden, dass Google, Microsoft oder Apple in das Pornobusiness einsteigen werden. Aber nach der freien Verfügbarkeit von Musik und Filmen bei YouTube und Google Video und der von Bildern bei flickr gibts bei YouPorn gratis Sexcontent und wird genau deshalb (so keine staatlichen Eingriffe zu erwarten sind) erfolgreich sein.
Das soll keine Wertung von Pornografie im allgemeinen und im Internet im Speziellen sein. Sex sells und noch immer sind sexuelle Suchwörter die (unveröffentlichten) Top-Suchbegriffe im Internet. YouPorn liefert das Gesuchte kostenlos und unkompliziert. Mal sehen wie deren Exitstrategie aus den zu erwartenden rechtlichen Problemen (Jugendschutz, unterschiedliche Rechtslagen) aussehen wird.
Auf jeden Fall fällt mit You Porn eine weitere Schranke in Sachen Jugendschutz. War früher die Schranke zu den wirklich harten Sachen mehr oder weniger die Verfügbarkeit einer Kreditkarte, so kann jeder 10-jährige, der You porn in google tippen kann auf mittlerweile über 2.000 Pornoschnippsel zugreifen. Und damit wird auch belegt, dass Jugendschutz im Internet anders aussehen muss, als ein “Erst ab 18″-Schild an die Tür zu hängen. Verantwortungsvolle, engagierte Eltern sind gefragt. Aber das, … das ist ein anderes Thema
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