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Die 98 Prozent Zuschauer

Bitte kann mich mal einer über einen sehr merkwürdigen Umstand aufklären. Und zwar so, dass ich es aus verstehe?

Warum um alles in der Welt hüpfen Besucher eines Konzerts (in diesem Falle Herr der Ringe in Concert) oder eines Kinofilms beim ersten Anzeichens des Endes von ihren Stühlen auf und hetzen in Richtung Ausgang?

Liebe Leute, die ihr euch nur 98 Prozent (oder noch weniger) des Ereignisses gönnt, für das ihr (oder jemand, der Euch mag) bezahlt habt: Für die anderen ist das Scheisse.

Zum einen, bei einem Konzert für die Künstler. Es hat sich in unserer mehrere tausendjährige Kulturgeschichte eingebürgert, dass man die Leistung des Künstlers zumindest ansatzweise würdigt. Im positiven Falle durch Applaus, im negativen durch Buhrufe oder was auch immer. Aber noch in das Verklingen der letzten Note panisch in Richtung Ausgang zu rennen ist für mich die Ausgeburt der Ignoranz.

Zum anderen nervt ihr liebe 98-Prozentler im Kino. Denn wenn ihr kurz vorm Ende unbedingt den Saal verlassen müsst, dann tut das bitte auch! Aber so läuft’s ja nicht ab. Da wird in der Hektik der Mantel angezogen (damit die Leute, die hinter einem sitzen und vielleicht wissen wollten, wer denn nun der Schauspieler dieser interessanten Nebenrolle war, ja keinen Blick auf die Leinwand erhaschen können), dann wird zwischen Knieen und Sesselreihen hindurchgezwängt. Schon ein wenig ungeduldig, warum denn die anderen noch sitzen bleiben wollen. Und dann, der Flüchtende hat fast den Ausgang erreicht, bleibt er immer vor ein paar Leuten in der fussfreien Reihe oder den Seitenplätzen stehen, weil ihm oder ihr aufgefallen ist, dass die Musik am Schluss gar nicht so schlecht war, oder vielleicht (im Falle eines Konzerts) eine Zugabe gegeben wird, die sich die applaudierenden (und nicht flüchtenden) Zuschauer “mühsam” erklatscht haben, oder eine dieser bekannten “Szenen nach dem Abspann” kommt.

Dann steht dieser Dolm vor den Leuten, die für den Film gezahlt haben, nimmt ihnen die Sicht und die dürfen dann mit dem Rücken des 98-Prozent-Typen Vorlieb nehmen.

Vor Kurzem hat in Wien ein Kino für Hundebesitzer aufgemacht. Ich plädiere für Kinos für 98-Prozent Zuschauer. Sobald die Schlussblende zu erahnen ist, wird der Film einfach gestoppt und das Licht wird angeschalten.

Und bis dieses Kino eröffnet: Liebe 98ler, macht’s das daheim im Bett, aber im Kino bleibt’s sitzen und im Konzert klatschtst oder buhts und gehts erst, wenn das Saal-Licht angeht.

Danke für die Aufmerksamkeit

Billa verschenkt Feiertage

Wer in Österreich lebt, hat sie vielleicht schon gesehen. Die Werbung, dass Österreichs größte Lebensmittelkette Billa, die bereits seit einigen Jahren zum Rewe-Konzern gehört, den 8. Dezember “seinen Mitarbeitern” schenkt.

Erstens, “verschenkt” Billa hier gar nichts. Der 8. Dezember ist in Österreich gesetzlicher Feiertag. Lediglich die Konsumhysterie verbunden mit dem zumeist selbst gebastelten Weihnachtseinkaufsstress hat in den letzten Jahren dazu geführt, dass am 8. Dezember die Geschäfte geöffnet haben. Sie tun dies zumindest zu erhöhten Personalkosten, da hier Feiertagszuschläge fällig werden.

Zweitens, würde es mich interessieren, ob Billa seinen Mitarbeitern die Arbeitsstunden tatsächlich schenkt (und damit jedem Mitarbeiter 1 Arbeitstag mehr auszahlt). Oder schlichtweg einfach nicht aufsperrt und den Mitarbeitern dafür auch nichts zahlt. Dann verschenken sie nämlich gar nichts. Sie verzichten auf eine Ausnahme. Nehmen wir den hypothetischen Fall, jemand fladert jeden Tag beim Billa 1 Sackerl Chips, tut das am 11. Oktober nicht, dann schenkt dieser Jemand am 11. Oktober dem Billa kein Sackerl Chips.

Und schlussendlich vergisst natürlich der Konzern nicht darauf hinzuweisen, dass Merkur, Bipa und Penny (Schwesterunternehmen von Billa) am 8. Dezember geöffnet haben und man ja dort einkaufen könne.

Was ist denn das für ein Scheiß

Brisant (das Boulevard-Magazin im ARD) macht gerade Werbung für einen Veranstalter der Tortenschlachten veranstaltet. Wahnsinnig lustig und wahnsinnig neu.

Leute, ich glaub, ihr habt euer Hirn wegen gähnender Leere geschlossen.

Alle 5 Sekunden stirbt ein Kind an den Folgen des Hungers und dieser **** lässt mit Lebensmittel herumwerfen?

Und für sein Zitat in der Welt

„Wir leben in einer Überflussgesellschaft. Natürlich ist Tortenwerfen dekadent – wie die meisten unserer Tätigkeiten in der Eventbranche! Aber das wird die Abgeordneten in Brüssel vielleicht am meisten nerven: dass es jemanden gibt, der noch Schlimmeres mit wertvollen Ressourcen anrichten kann als sie.“

gehört ihm meiner Meinung nach das, was ich hier nicht schreiben kann. Was für ein Rachs.

Ahso, er spendet 10 % seines Gewinns an die Berliner Tafel. Na dann …

Eigentlich liegt ihr falsch

Kann man mir eigentlich sagen, warum just zu Karfreitag in den deutschen Fernsehanstalten die “Enthüllungs-Dokus” oder Filme laufen, dass Jesus unter Umständen gar nicht am Kreuz gestorben ist und sich somit die ganze Geschichte von wegen Auferstehung gar nicht so abgespielt haben kann?

Ich bin ganz sicher kein Vertreter des religiösen Staatsfernsehens, aber warum einer bestimmten Gruppe von Gläubigen just an einem ihrer höchsten Feiertage Dokus um die Ohren gehauen werden, die alle “He, ihr liegt ja total falsch” rufen, erschließt sich mir nicht ganz.

Wir erwarten wohl demnächst “Das Christkind - infame Erfindung unserer Eltern” im Kinderprogramm am 24. Dezember oder dergleichen.

Unsere Jugend ist heruntergekommen und zuchtlos

Beklagt sich ein Vater. Vor rund 4.000 Jahren. Hat sich was geändert? Nicht wirklich, findet Abdulkadir Topal in seinem Blog EnVision

Bzw. wenn das wahr wäre - wandelten seinerzeit auf Erden tatsächlich moralisch reine Wesen. ;-)

Der getroffene Kulturpunkt

Die österreichische Kultursendung Treffpunkt Kultur ist schon seit Jahren heftiger Kritik ausgesetzt. Einigen ist sie zu mainstreamig, zu beliebig anderen wieder zu wenig auf Kunst selbst orientiert. Ich hab mich da eigentlich immer raus gehalten, nach dem Motto: auf Daniederliegende tritt man nicht ein.

Aber langsam entwickelt sich das Format zu einer Art Kindergeburtstag. Patricia Pawlicki, ihres Zeichens Moderatorin dieser Sendung interviewt Peter Morgan anlässlich dessen Oscar-Nominierung und Golden Globe Auszeichnung. Bei folgenden Fragen blüht Pawlicki förmlich emotional im Interview auf:

Peter Morgan bestätigt Pawlicki auf ihre Frage (”kicher”), dass seine Frau sauer war, weil er George Clooney keine Filmrechte verkaufen wollte.

Peter Morgan ist peinlich davon berührt, dass sie ihn dahingehend analysiert (”kicher”), dass es ihm als Briten unmöglich sei, das Wort “sexy” und “Queen” in einem Atemzug auszusprechen. Nebenbei kann oder will sie ihm nicht behilflich sein, das Wort “treason” zu übersetzen.

Peter Morgan bestätigt auf ihre Anfrage, dass er geschworen hatte, im Falle des Gewinns des Golden Globes für das Drehbuch zu “The Queen” eine ganze Zigarre zu rauchen. Und dass er zumindest einen Teil dieser Zigarre in der Oscar Nacht geraucht hatte (”ohne grün anzulaufen” - “kicher”).

Wir sehen, Kultursendungen müssen nichts mit dem Thema “Kultur” zu tun haben. Im ORF.

Die Ungläubigen

So- oder Selbsternannte Experten “genießen” bei mir ganz generell höchstes Misstrauen. Und im Wesentlichen liege ich damit richtig. Allerweltsweisheiten werden als die größte Enthüllung seit der Erfindung des tiefen Tellers gewertet, solange ein halbwegs einflussreiches Medium dem Enthüllenden das Wörtchen “Experte” an dessen Namen klebt.

Nebenbei scheinen derartige Experten den Rest der Bevölkerung schlichtweg für grenzdebil zu halten, vermutlich berauscht durch das verliehene Adelsprädikat “Experte”.

Aktuelles Beispiel: In den Terrordrohungen, die jüngst gegen Österreich und Deutschland ausgesprochen wurden, nahmen die Drohenden Bezug auf die gebrochenen Wahlversprechen der SPÖ bezug. Diese hatte die Abschaffung der Studiengebühren versprochen, konnte dieses Versprechen aber in den Koalitionsverhandlungen mit der ÖVP nicht einlösen.

Und jetzt sind sie ganz platt, diese Experten. Vermutlich haben sich die “Experten” gedacht, wie so ein “Kameltreiber” was über die österreichische Innenpolitik wissen kann. Zitat aus orf.at:

Fundiertes Wissen über Innenpolitik

Angesichts des Inhalts der Drohung dürften die Urheber aber zumindest ein fundiertes Wissen über die österreichische Innenpolitik besitzen, vermuten die Experten.

Zudem konnte bisher auch festgestellt werden, dass die eingeblendeten deutschen Untertitel “bis auf einige Kleinigkeiten” mit der von einem Maskierten vorgelesenen arabischen Botschaft übereinstimmen.

Dass da ein Terrorist vielleicht Deutsch kann und sich vor einer Terrordrohung auch noch (vielleicht sogar durch das böse Internet) über die Regierung und deren Schwächen informiert, die er unter Druck setzen möchte ist natürlich vollkommen unwahrscheinlich. Da steckt ganz sicher fundierte Sachkenntnis der österreichischen Innenpolitik dahinter. Immerhin dürfen sich Jene, die die Diskussion über die Studiengebühren mitbekommen haben, auch einer fundierten Kenntnis der Österreichischen Innenpolitik rühmen.

Gleiches war auch schon bei Briefbombenattentäter Franz Fuchs zu vernehmen, der die “Bajuwarische Befreiungsfront” erfand und deren einziges Mitglied er war. Noch nach der Verhaftung Fuchs schwörten Politiker Stein und Bein, dass das akkurate Zusammenbasteln von Rohrbomben unmöglich das Werk eines Einzelnen gewesen sein konnten.

Überall geben Experten “Verblüffung” oder “Panik” aus. Vermutlich weil sie zu dämlich sind, Anderen, die den Willen, die Motivation und die Überzeugung haben etwas zu tun, eine Umsetzungskompetenz zuzugestehen. Es soll nämlich tatsächlich noch Leute geben, deren geistiger Horizont nicht beim Musikantenstadl oder 5-Minuten-Analysen im Fernsehen aufhört. Diese Personen und ungläubige “Experten” sind prächtiger Nährboden für Verschwörungstheorien aller Art.